Slogan: Einfach, flexibel, sinnvoll

Andi Seiler

Alte Liebe rostet nicht - Morini-Umbau 350/500

Als ich 1998 in die USA auswanderte, beging ich gleich zwei große Fehler: Ich verkaufte schnellstens meine 748 und meine 3 1/2 Sport. Die Liebe zu Morini hat mich aber in den Staaten wieder eingeholt.
“I´ll make you a good price because I would like to see what you will do with it. I know you will do a good job!” Die Worte meines Freundes Eric Bergman sind mir heute noch gut im Ohr. Seit meinem Weggang aus Deutschland bereute ich, meine feine 3 1/2 Sport (Baujahr 1978/79) verkauft zu haben. Die Entscheidung zum Kauf des neuen Morini-Projekts fiel also nicht schwer. Viele, viele Teile, die Eric vor zwei Jahren an der Ostküste im Package gekauft hatte und die im Grunde genommen eine 350er und eine 500er ergaben.

Ich will es kurz machen:
Die Umbauarbeiten begannen im Oktober 2001. Eric lies mir bei der Auswahl der Teile die Wahl – ein echter Freund. So griff ich zum 3 1/2er-Rahmen anno 1981, der bereits die charakteristischen Knicke neuerer Baujahre an den vorderen Rahmenrohren hat. Außerdem kam ich so in den Genuss der verstärkten Schwinge. Gerhard “Bummi” Hansberg von LaStrega, mit dem ein reger E-Mail-Kontakt entstanden ist, gab mir etliche hilfreiche Tipps. Rahmen und Schwinge gingen so schnell wie möglich zum Kunststoffbeschichten (anthrazit-flake-metallic). Die Räder lackierte ich selbst mit der Sprühdose (Silber) – kommen eh bald Speichenräder dran. Die Gabel brauchte neue Standrohre, die Hermy Baver, der ehemalige US-Importeur, auf Lager hatte. Von ihm erhielt ich auch zahlreiche andere Sachen. Alles übrige, was hier drüben nicht zu kriegen war, orderte ich bei den mir gut bekannten Morini-Dealern in Deutschland (z. B. Kegelrollenlager für Lenkkopf und Nadellager für Schwinge sowie zurückverlegte Rastenanlage von der Fa. Tritsch). Halt, die Tankembleme kamen von NLM in England!

Parallel dazu gab ich den Tank, eine bei Airtech in Kalifornien georderte Ducati 900 SS-Sitzbank plus Vorderradkotflügel zum Lackieren. Farben: Tornadorot/Titaniumsilber. Das Lackdesign entwarf ich selbst, inspiriert von der legendären Hot Rod-Ducati 750 SS, mit der der US-Journalist Cook Neilson das Superbike-Rennen von Daytona 1977 gewann. Die Vorderrad-Doppelscheibe erhielt neue Dichtungen an den Bremszangen und Ferodo-Beläge von Michael Morse in Kalifornien, der sich hervorragend mit Bremsen für ältere Bikes auskennt und unter anderem die Vintage- (Oldtimer-) Rennszene in den USA mit Trommel- und Scheibenbremsbelägen versorgt (www.vintagebrake.com). Ansonsten gab´s halt viel, viel Reinigungs- und jede Menge Polierarbeit zu tun. Das allein hielt mich locker zwei, drei Wochen busy. Und immer wieder musste ich beim Sortieren der Einzelteile feststellen, dass etwas fehlte. Also bestellen!

Mein Motor stammte aus dem 500er-Teileträger und war angeblich überholt. Dabei handelt es sich um ein Fünfgangaggregat der ersten Serie von 1978. Nicht gerade bekannt für überschwengliche Leistungsbereitschaft, aber hier für den amerikanischen Highway- und Canyonroad-Gebrauch absolut ausreichend. Die Vergaser wurden zerlegt, gereinigt und mit neuen Dichtungen versehen. K&N-Filter für den Direktanschluss am Vergaser sowie offene Megaphone, die ursprünglich mal für den Betrieb in einer Triumph oder Norton gedacht waren, sollten die für unsere Höhenlagen hier rund um Denver (die Stadt allein liegt auf 1600 Metern Meereshöhe) zu fetten Gemischwerte wieder zurecht rücken. Tja, hier in Amiland stören solche Soundkünstler so gut wie niemanden, selbst nicht die Polizei. In den Weiten der USA verlieren sich solche Unzulänglichkeiten einfach (was damit nicht grundsätzlich als positiv bezeichnet werden soll!). Lediglich in Kalifornien gibt´s schärfere Abgas- und Geräuschnormen.

Anfang März stand meine neue fertige Morini dann da. In der derzeitigen Form verwende ich einen Kondensator statt einer Batterie (stammt aus dem Zubehör für Honda XRs, funktioniert aber leider noch nicht so ganz), Scheinwerfer udn Rücklicht sind Teile aus dem Zubehör. Und natürlich die obligatorischen Ochsenaugen! Den ersten Ausritt machte ich mit ihr und Freunden zum Sonntagstreffen des Norton Club Colorado, dem auch ich abgehöre, in den Osten von Denver. Die Kupplung musste ich später allerdings noch einmal zerlegen (alles vom Vorgänger Erics falsch zusammengebaut) und die dahinter sitzenden Dichtringe sowie einige Kleinteile erneuern.

Was noch auf der Wunschliste steht, sind die Lösung meiner Elektrikprobleme (Zündboxen, Pickup und Stator werden demnächst erst einmal komplett durchgemessen; vielleicht installiere ich außerdem doch noch eine Batterie, denn mit der funktionieren die Verbraucher), eine anschließend erfolgreiche Vergaserabstimmung, Speichenräder mit einer Vorderradnabe aus einer Yamaha XS 650 der ersten Serie sowie pizzagroßen Brembo-Scheiben sowie ein 501-Motor. Ich habe das Gefühl, an diesem Leistungspaket geht für mich auf lange Sicht gesehen kein Weg dran vorbei. Dann wäre meine Hexe für mich (fast) perfekt.

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